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Feuchtigkeit
und Schimmel
Feuchteschäden
sind in Altbauten besonders häufig. Neben undichten Dächern
oder schadhafter Dachentwässerung, Rissen in der Fassade
und unzureichender Wärmedämmung sind Schäden durch
aufsteigende Feuchtigkeit im Keller und den bodennahen Außenwänden
am häufigsten. Deren Sanierung ist besonders kompliziert.
Denn Mauern saugen Feuchtigkeit aus dem Erdreich ebenso auf wie
schlecht abfließende Niederschläge oder seitlich drückendes
Grundwasser. Über kleinste Hohlräume, sogenannte Kapillaren,
wird die Feuchtigkeit nach oben transportiert und schädigt
beispielsweise die in Mauerwerk hineinragenden Köpfe der
Deckenbalken.
Seit
der Jahrhundertwende werden Häusersockel außen mit
Zementputz gegen Feuchtigkeit geschützt. Der Kellerboden
blieb unversiegelt. So drang zwar Feuchtigkeit ein, doch war das
durchaus erwünscht. Denn so konnten Lebensmittel gut gelagert
werden. Damit die Feuchtigkeit nicht ins Erdgeschoß aufstieg,
wurden hohe Grundsockel gemauert, so dass die Kellerdecken über
dem Erdreich lagen. Damit war genügend Verdunstungsfläche
vorhanden, zumal die Keller durch offene Fensterschächte
ständig belüftet wurden. Später führte man
zwar horizontale Abdichtungen in die Außenmauern ein, beispielsweise
Dachpappen, Blei- oder Schieferplatten. Der Kellerboden blieb
aber zunächst weiter feucht. Wird der Keller nun ausgebaut,
werden abdichtende Außenputze verwendet oder neue, dicht
schließende Fenster eingebaut, dann funktioniert die Verdunstung
nicht mehr und Feuchteschäden häufen sich.
Feuchtigkeit
kann aber auch in neueren Häusern auftreten. So ist in einem
Massivbau nach der Bauphase immer noch ein hohes Maß an
Feuchtigkeit aus dem Anmachwasser der mineralischen Baustoffe
wie Beton, Mörtel, Estrich und Putz vorhanden, die erst nach
längerer Zeit abtrocknet. Bei Ziegeln dauert das etwa ein
Jahr, bei Beton oder Kalksandstein bis zu drei Jahre. Man spricht
hier leicht zynisch auch vom "Trockenwohnen".
Während
diese Art Feuchtigkeit gegebenenfalls nur lästig ist, kann
Feuchtigkeit aber auch Bauschäden verursachen oder als Folge
von Bauschäden auftreten. So können Schäden durch
kondensierende Feuchtigkeit, kurz Tauwasser genannt, als Folge
von Wärmebrücken eintreten. Kondensiert das Wasser an
der Oberfläche, entsteht Schimmel, kondensiert es im Inneren
eines Bauteils, kann es zu Durchfeuchtungen kommen, die Salzauswaschungen,
Herabsetzung der Stabilität und der Wärmedämmfähigkeit,
Fäulnis oder Schädlingsbefall nach sich ziehen. Außerdem
kann Wasser durch undichte Stellen der Gebäudehülle
eindringen, aus geplatzten Wasserrohren oder schadhafter Dachentwässerung
stammen oder auch aus dem Erdreich durch ungenügende Sperrschichten
in das Mauerwerk steigen.
Die
Beherrschung der Luftfeuchtigkeit macht den Bewohnern die meisten
Probleme. Das mag damit zusammenhängen, dass Menschen kein
Sinnesorgan haben, mit dem sie die Luftfeuchtigkeit ermessen können.
Nur extreme Trockenheit (Wüstenklima) oder sehr hohe Feuchte
(Tropenklima) wird von ihnen wahrgenommen. Wenn man hingegen Wasserdampf
sieht, etwa über dem Nudeltopf oder bei Nebel, dann handelt
es sich eigentlich schon nicht mehr um Luftfeuchtigkeit, sondern
bereits um kondensierte kleine Wassertröpfchen, die nicht
mehr dampfförmig, sondern bereits flüssig sind.
Wie
entstehen feuchte Niederschläge im Zimmer?
Wie
viel Feuchtigkeit in der Luft enthalten ist, hängt von ihrer
Temperatur ab. Je höher sie ist, um so mehr Feuchtigkeit
kann sie aufnehmen. So kann ein Kubikmeter Luft bei 0°C 4,8 Gramm
Wasser aufnehmen, bei -20°C 0,9 Gramm und bei +30°C 30,4 Gramm.
In der Praxis werden diese Werte für 100prozentige Luftfeuchtigkeit
zwar nicht erreicht, doch kann es in Wohnräumen, Küchen
und Bädern durchaus zu 70 bis 80 % Luftfeuchtigkeit kommen.
Entscheidend
ist, unter welchen Bedingungen diese Feuchtigkeit aus der Luft
kondensiert, sich als Wasser niederschlägt und Schäden
anrichtet. Der sogenannte Taupunkt, also die Temperatur, bei der
Kondensation stattfindet, ist abhängig von der Lufttemperatur
und der relativen Luftfeuchtigkeit. So liegt dieser Taupunkt bei
einer Lufttemperatur von 22°C und 70 % Luftfeuchtigkeit bei 16,3°C.
Weniger als 6 Grad Temperaturunterschied bewirken hier also bereits
einen feuchten Niederschlag.
Die
erhöhte Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen stammt vornehmlich
aus Küche und Bad, aber auch Zimmerpflanzen können sehr
viel Feuchtigkeit abgeben. Nicht zuletzt sind es die Bewohner
selbst, die Feuchtigkeit ausschwitzen und ausatmen. So produziert
ein Mensch im Schlaf etwa 60 Gramm Wasserdampf pro Stunde, bei
leichter Tätigkeit rund 100 g und bei schwerer Arbeit bis
zu 300 g. Ein Duschbad erzeugt 1.700 g, eine Waschmaschinenladung
geschleuderte Wäsche 6.000 g. Ein 4-Personen-Haushalt produziert
so etwa 15 Liter Wasserdampf am Tag.
Schimmel
an der Wand
Diese
Feuchtigkeit wird heute zum Problem. Früher gab es noch keine
Waschmaschinen, keine Duschen, keine Innentoiletten. Früher
waren Fenster undicht, Feuchtigkeit schlug sich zudem auf den
Einfachverglasungen nieder und wurde direkt nach außen abgeleitet.
Unter den heutigen Wohnverhältnissen führen drei Dinge
zu Schimmelbildung:
- Wärmebrücken
- ungenügende
Lüftung
- schlecht
sorptionsfähige Oberflächen
Damit
sich Schimmelsporen niederlassen und vermehren können, brauchen
sie Feuchtigkeit und organisches Material, von dem sie leben.
Tapeten, Hölzer, Anstriche bieten genügend Nahrung,
Feuchtigkeit kondensiert an kalten Stellen, also vorzugsweise
an Wärmebrücken - je höher die Luftfeuchtigkeit
ist, um so eher.
Da
sich Wärmebrücken nie vollständig vermeiden lassen,
muß also die Luftfeuchtigkeit heruntergesetzt werden. Dazu
muß man schlicht lüften: Die kalte Außenluft
enthält wesentlich weniger Feuchtigkeit als die Zimmerluft,
die Raumfeuchte wird davongetragen. Früher lüftete sich
ein Gebäude quasi von selbst, weil durch unzählige Fugen
und Ritzen Luft eindrang. Das verursachte allerdings auch ungesunde
Wohnverhältnisse. Heute müssen die Bewohner moderner,
gut isolierter Häuser das Lüften regelrecht lernen.
Schließlich will man mit der Feuchtigkeit nicht auch die
kostbare Zimmerwärme zum Fenster hinausziehen lassen. Hier
hilft nur kurzes "Stoßlüften" von 2 bis 4
Minuten dreimal am Tag, bei dem die Luft ausgetauscht wird, aber
die warmen Innenwände, Möbel usw. nicht abkühlen
- oder eine Lüftungsanlage.
Wichtig
ist aber, zwischenzeitlich große "Feuchtigkeitspuffer"
zu haben, die Wasserdampf aufnehmen und auch schadlos wieder abgeben
können. Hierzu eignet sich vor allem ökologisches Baumaterial:
Holz, Lehm, Gips, Kalkputz, Ziegel und Bodenbeläge oder Möbelbezüge
aus Naturfasern. Glas, Metall, Kunststoffe oder lackierte Flächen
eignen sich hierzu nicht.
Der
Schimmel muß übrigens unverzüglich entfernt werden,
weil er gesundheitsschädlich ist. Dazu eignen sich nicht
scharfe Gifte (Fungizide) aus chlorierten Verbindungen, weil sie
auch der menschlichen Gesundheit sehr schaden. Besser geeignet
sind alkoholhaltige Reiniger, 5%ige Essigessenz oder Sodalösung.
Die betroffenen Stellen sollten nicht mit Dispersionsfarbe, sondern
mit Kalk- oder Mineralfarbe überstrichen werden, weil in
diesem Klima der Pilz schlechter gedeiht.
Tauwasser
in der Wand
Zwar
wird der größte Teil der Luftfeuchtigkeit aus dem Gebäudeinneren
über die Luft abtransportiert. Etwa zwei Prozent der Raumluftfeuchte
gelangen aber direkt durch die Konstruktion ins Freie. Den Durchgang
von Wasserdampf durch Bauteile nennt man Diffusion. Diese Wasserdampfdiffusion
entsteht, weil der Dampfdruck im Inneren durch menschliche Aktivitäten
höher ist als außen. Zwar setzen Bauteile dieser Diffusion
einen gewissen Widerstand entgegen, den man berechnen kann. Dieser
Rechenwert m ist eine Relation zur Luft: Er besagt, um wievielmal
mehr dieser Stoff die Diffusion hemmt. Ganz können - und
sollen - sie aber die Diffusion nicht verhindern. Organische Dämmstoffe
beispielsweise haben einen m -Wert von 1, setzen der Diffusion
also wenig Widerstand entgegen, eine Ziegelwand hat einen m
-Wert von 8, Kalksandstein von 15, Beton von 70 und Polystyrol
von 100.
Wasserdampfdiffusion
schadet grundsätzlich dem Bauteil nicht, wenn die Feuchtigkeit
gut nach außen abgeführt wird. Deshalb achtet man darauf,
dass die Werte der Wärmeleitfähigkeit von innen
nach außen abnehmen, die besser wärmedämmende
Schicht soll auf der kalten äußeren Seite liegen. So
verhindert man, dass der Taupunkt, also die Stelle, an der Feuchtigkeit
auskondensieren könnte, mitten in der Wand liegt. Außerdem
soll das wasserdampfdichtere Material innen, das diffusionsoffenere
Material außen liegen, damit die eingedrungene Feuchtigkeit
besser abgeführt wird.
Bildet
sich hingegen Kondenswasser in größeren Mengen im Bauteil,
hat das Bauschäden zur Folge. Dies ist, wie schon erwähnt,
punktuell bei Wärmebrücken der Fall, aber auch bei schadhaften
innenliegenden Dampfsperren, wo an der undichten Stelle eine größere
Menge an Feuchtigkeit eindringt. Der Taupunkt einer Konstruktion
sollte nach Möglichkeit dort liegen, wo das kondensierende
Wasser nicht schadet, weil es von dort bequem nach außen
abgeführt werden kann.
Deshalb
sollte vor allem auch die Außenseite der Wand nicht mit
sperrenden Anstrichen oder dampfdichtem Kunstharzputz versehen
sein. Deren Wirkung etwa gegen Schlagregen ist von begrenzter
Dauer, der Schaden durch Unterbindung der Diffusion dauerhaft.
Dämmstoffe sollten so beschaffen sein, dass sie Feuchtigkeit
aufnehmen und abgeben können, ohne dadurch in ihrer Funktionsfähigkeit
beeinträchtigt zu werden. Weitgehend dampfdichte und zugleich
hochwirksame Dämmstoffe wie etwa Polystyrol oder Polyurethan
sind deshalb sowohl außen wie innen ungünstig. Die
häufig zu beobachtende Wärmedämmung von innen mittels
einer sogenannten Thermotapete ist unsinnig und zieht Schimmel
und Bauschäden nach sich.
Großflächige
Flecken an den Kellerwänden deuten auf seitlich drückende
Nässe hin. Hier ist die einzige Hilfe, rund ums Haus auszuschachten
und die Wände von außen abzudichten. Dafür eignen
sich mit Einschränkungen Zementschlämme, ansonsten Anstriche
auf Bitumenbasis oder Folien aus Kunststoff oder Bitumen. Besonders
ökologisch sind diese Materialien zwar nicht, aber sie können
sich Bewegungen von altem Mauerwerk besser anpassen als starre
Zementschlämme. Man sollte dann gleich auch die Wärmedämmung
in diesem Bereich, die sogenannte Perimeterdämmung verbessern.
Hierzu eignet sich vorzugsweise Schaumglas, ein wasserdichter,
aus Altglas gewonnener Dämmstoff, der mit Bitumen verklebt
wird. Hat man schon ausgeschachtet, bietet es sich außerdem
an, eine Schicht aus Schotter oder Kies einzubringen, die als
Drainage wirkt und verhindert, dass sich Wasser an der Mauer staut.
Will
man den Kellerboden oder die Grundmauern gegen aufsteigende Feuchte
isolieren, muss das Mauerwerk meterweise per Hand aufgestemmt
oder aufgesägt werden. In die Ritzen wird dann eine Kunststofffolie
oder Bitumenbahn eingelegt. Bei durchgängigen Mauerwerksfugen
eignen sich maschinell eingeschlagene Edelstahlbleche. Als Alternative
zur aufwendigen Auftrennung der Mauer bieten sich Injektage-Verfahren
an. Dabei werden Chemikalien oder auch Paraffine durch Bohrlöcher
in die Wand gespritzt, die die feinen Kapillaren verstopfen und
so eine wasserundurchlässige Zone bilden sollen. Zwar sind
diese Verfahren für Umwelt und Gesundheit unbedenklich, doch
ist ihre Wirksamkeit in Fachkreisen umstritten. Vor allem bei
inhomogenem oder sehr nassem Mauerwerk funktioniert das Verfahren
nicht.
Vor
Mikrowellengeräten, Elektroosmose oder Mitteln zum Aufsprühen
auf die Wand wird ebenfalls wegen Unwirksamkeit abgeraten. Eine
Abdichtung von innen, beispielsweise mit Hilfe eines Sanierputzes,
läßt die Wand zwar oberflächlich trocken erscheinen.
Die Feuchtigkeit steigt dann jedoch immer weiter nach oben, bis
sie eine Fläche findet, wo sie verdunsten kann. So holt man
sich die Nässe also gerade dorthin, wo man sie nicht haben
will.
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