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Bauratgeber
/ Dämmstoffe
Dämmstoffe
Mit
der Einsicht in die Notwendigkeit von Energieeinsparung wächst
die Bedeutung der Wärmedämmstoffe. Doch leider ist der
ideale Dämmstoff nicht vorhanden. Dämmstoffe aus Kunststoff
stammen aus einer umweltschädlichen Prozesskette und enthalten
meist viel Primärenergie, mineralische Dämmstoffe bergen
gesundheitliche Risiken oder sind gleichfalls energieaufwendig,
Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen eignen sich nicht
für jede Anwendung. Doch kann man sagen, dass der Verzicht
auf besonders umwelt- und gesundheitlich problematische Dämmstoffe
angesichts der großen Zahl von Alternativen nicht schwer
fällt.
Dämmstoffe
aus Kunststoff
Der
wichtigste Dämmstoff aus Kunststoff ist das Polystyrol. Es
gibt expandiertes Polystyrol (EPS), das durch Aufschäumen
von Styrol mit Pentan und Wasserdampf entsteht und eine offenporige
Struktur hat, und extrudiertes Polystyrol (XPS), das mit einem
Treibgas durch eine Düse plastifiziert wird und eine geschlossene,
dampfdichte Zellstruktur hat, die eine höhere Druckfestigkeit
und den Einsatz auch in Feuchtbereichen ermöglicht. Als Treibgas
für XPS wurden früher ozonschädliche FCKW verwendet,
nun hat man die Produktion in Europa vollständig auf teilhalogenierte
HFCKW (mit ozonschädigendem Potential), HFKW (ohne Ozonschädigung
aber mit klimaschädigendem Potential) oder CO²
umgestellt. 1989 wurden in Europa 16 Millionen m³ EPS
und 1,9 Millionen m³ XPS hergestellt.
Während der Produktion, kurz nach der Herstellung und bei
Erhitzung kann es zur Emission von Styrol kommen, das ein starkes
Nervengift ist und im Verdacht auf krebserzeugende und erbgutschädigende
Wirkung steht. Deshalb muss Polystyrol nach der Produktion zwei
Monate lagern und darf erst dann zum Verkauf kommen. Aber auch
danach sind noch geringe Styrol-Emissionen feststellbar. Während
der Produktion und der gesamten Lebenszeit entweicht Pentan, das
am Sommersmog beteiligt ist und in der Atmosphäre zum Treibhauseffekt
beiträgt. Außerdem sind in der Regel problematische
bromierte Flammschutzmittel zugesetzt, die im Brandfall toxische
Gase freisetzen. EPS wird überwiegend für Wärmedämmverbundsysteme
auf Mauerwerk, innenliegende Wärmedämmung und Dämmschichten
unter dem Estrich verwendet, loses Schüttgut dient als Leichtzuschlag
in Wärmedämmputzen oder Leichtmörteln. Polystyrol
bietet nur geringen sommerlichen Wärmeschutz und kann den
Schallschutz eines Gebäudes sogar verschlechtern. XPS dient
vorwiegend für die außenseitige Dämmung von Kellern
(Perimeterdämmung) oder Flachdächern (Umkehrdach).
Polyurethanplatten
oder -Ortschäume werden unter Zugabe von Katalysatoren und
Treibmittel aus Isocyanaten hergestellt. Es entstehen geschlossenzellige,
harte Schaumstoffe, die ähnliche Anwendungsgebiete haben
wie XPS-Polystyrole, dazu aber auch zur Dämmung von geneigten
Dächern benutzt werden. Polyurethan-Ortschäume sind
zweikomponentige Montageschäume, die unter Druckluft und
Flüssigkeitsdruck in zu dämmende Hohlräume eingesprüht
werden, wo sie sich ausdehnen und erhärten. Sie werden gern
zum Ausschäumen von Fenster- und Türrahmen und zum Abdichten
von Ritzen und Fugen verwendet. 1989 wurden in Europa etwa 4,7
Millionen Kubikmeter Polyurethan-Dämmstoffe hergestellt.
Polyurethan-Dämmstoffe
sind weitgehend dampfdicht und zeichnen sich durch äußerst
günstige Wärmedämmwerte aus. Als Treibmittel hat
man früher FCKW verwendet, heute werden überwiegend
schwächer ozonschädliche HFCKW, Pentan und in geringem
Ausmaß auch CO² verwendet. Isocyanate entspringen
einem komplizierten Herstellungsprozeß der Chlorchemie und
bilden in der Luft gefährliche Amine. Besonders beim Einsatz
von Ortsschäumen werden in erheblichem Ausmaß Isocyanate
freigesetzt. Im Brandfall entsteht hochgiftige Blausäure,
auch sind den Polyurethanen Flammschutzmittel beigegeben, die
toxische Brandgase entstehen lassen.
Während
die vorgenannten Dämmstoffe aus ökologischen Gründen
nicht zu empfehlen sind, gibt es neuerdings auch Dämmatten
aus reinen Polyesterfasern, wie man sie aus Kleiderstoffen kennt.
Zusätze zum Brand- und Insektenschutz sind hierbei nicht
notwendig, da Polyester nicht brennbar ist. Manche Produkte tragen
das Gütezeichen Öko-Tex Standard 100, denn Polyester
gilt anerkanntermaßen als allergenfrei. Probleme bei der
Verarbeitung sind nicht zu erwarten, als sortenreines Material
eignet es sich gut zum Recycling. Der Dämmstoff weist zudem
hohe Dämmwerte auf. Allerdings ist er nicht in der Lage,
Feuchtigkeit aufzunehmen, bietet nur sehr geringen sommerlichen
Wärmeschutz und ist aus Erdöl gemacht. So benötigt
er im Vergleich zu Dämmatten aus Naturfasern eine recht hohe
Herstellungsenergie.
- Polystyrol
(EPS): Wärmeleitfähigkeit
0,035 - Rohdichte
20 kg/m³ - Primärenergiegehalt ca. 450 kWh/m³
- Polystyrol
(XPS): Wärmeleitfähigkeit
0,035 - Rohdichte
30 kg/m³ - Primärenergiegehalt ca. 850 kWh/m³
- Polyurethan-Platten:
Wärmeleitfähigkeit
0,025 - Rohdichte 40 kg/m³
- Primärenergiegehalt ca. 1200 kWh/m³
- Polyestermatten:
Wärmeleitfähigkeit
0,035 - Rohdichte 25 kg/m³
- Primärenergiegehalt ca. 600 kWh/m³
- PUR-Schaum:
Wärmeleitfähigkeit
0,030 - Rohdichte 30 kg/m³
- Primärenergiegehalt ca. 1000 kWh/m³
Mineralfasern
Mineralfaserdämmstoffe
sind in Europa die am weitesten verbreiteten Dämmprodukte
mit einem breiten Anwendungsspektrum von der Dachdämmung,
Zwischenständerdämmung, Kerndämmung bis zu verputzten
Verbundsystemen. Der weltweite Umsatz beträgt etwa 200 Milliarden
DM. Sie werden durch Schmelzen des mineralischen Ausgangsmaterials
bei etwa 1500° C und anschließendes Zentrifugieren,
Zerblasen oder Düsenziehen hergestellt. Als Ausgangsmaterial
dienen entweder Altglas bzw. Glasrohstoffe wie Quarzsand für
die Herstellung von Glaswolle, oder aber Basalt- oder Diabas-Gestein
für die Herstellung von Steinwolle. Die Fasern werden mit
bis zu 10 % Phenol-Formaldehyd-Harzen gebunden, die zu Bakelit
aushärten. Bei Untersuchungen von ÖKO-TEST wurden geringe
Anteile an freiem Formaldehyd gefunden, im Brandfall gasen die
giftigen Phenole als erstes aus. Mineralfasern haben eine gute
Dämmwirkung und sind unbrennbar. Sie enthalten aber erhebliche
Mengen kritische lungengängige Fasern, also Fasern von mehr
als 5 Mikrometern Länge und weniger als 3 m m Durchmesser.
Bei der Verlegung von Mineralfasermatten werden Belastungen von
über 200.000 Fasern pro Kubikmeter Luft erreicht.
Seit
Jahren wirft die Diskussion über die gesundheitliche Gefährdung
durch Mineralwollefasern in der Fachwelt in Deutschland hohe Wellen.
Nahezu unbeachtet vom europäischen Ausland hatten sich bei
Tierversuchen die Dämmstoffe als eindeutig krebserregend
erwiesen. Beim Menschen wurden zwar noch keine durch Mineralfasern
verursachten Krebsfälle dokumentiert. Dennoch beschloss die
deutsche Senatskommission zur Prüfung gesundheitlicher Arbeitsstoffe,
Glas- und Steinwolle wie krebserregende Arbeitsstoffe zu behandeln.
Damit schieden sie beispielsweise bei der Vergabe öffentlicher
Aufträge aus. In Deutschland wird für alle Einbauten
vor 1994, bei denen die Mineralfasern nicht vollständig vom
Innenraum getrennt sind, eine Sanierung empfohlen. Bei vorschriftsmäßig
hinter einer Dampfsperre verlegten Mineralfasermatten besteht
hingegen keine Gesundheitsgefahr, außer bei Umbauten.
Im
Frühjahr 1994 wurde vom Ausschuss für Gefahrstoffe ein
neues Bewertungsschema vorgeschlagen. Danach entscheidet die Beständigkeit
der Fasern im menschlichen Körper über die Gefährlichkeit
der Partikel: Je schneller sie sich in der Lunge auflösen,
desto geringer ist die Gefahr, dass sie Schäden hervorrufen.
Entscheidend für diese Biolöslichkeit sind die Anteile
bestimmter Mineralien, aus denen ein sogenannter "Kanzerogenitätsindex"
(KI) errechnet wird. Empfohlen wird ein KI von mindestens 40.
Halten Fasern diesen Wert ein, gelten sie nach gegenwärtigem
Wissensstand nicht als krebserzeugend, liegt der Wert niedriger,
bleibt der Krebsverdacht. Dies war insbesondere für die Hersteller
von Steinwolle (Rockwool) unbefriedigend, den sie konnten
die Bewertung KI 40 in der Regel nicht erreichen. Dies ist auch
wissenschaftlich begründet: Dauerte es nach wissenschaftlichen
Untersuchungen bei Glasfasern konventioneller Art 150 bis 200
Tage, bis sie in der Lunge zur Hälfte abgebaut waren, sind
es bei den neuen KI 40-Produkten weniger als 20. Steinwolle, die
aufgrund ihres hohen Aluminiumgehalts besonders große Probleme
bereitet, erreicht mit seine "biolöslich" gekennzeichneten
Produkten eine Halbwertszeit von etwa 60 Tagen gegenüber
300 bei alten Produkten.
Seit
1998 gilt europaweit die Vorschrift, in den entsprechenden Bereichen
nur noch biolösliche Mineralfasern einzusetzen. Die Anforderungen
an die Biolöslichkeit sind jedoch geringer als bei der früheren,
inzwischen aufgehobenen KI 40-Vorschrift. So können auch
Steinwolleprodukte problemlos einen Persilschein bekommen, was
kritische Wissenschaftler als problematisch ansehen.
Aus
ökologischer Sicht sind Mineralfasern auch dann weniger empfehlenswert,
wenn ihre Krebsgefahr gebannt wurde. Mineralfasern können
keine Feuchtigkeit aufnehmen, ihre Dämmfähigkeit wird
durch Feuchte stark herabgesetzt. Sie bergen durch die Phenol-Formaldehydharze
eine latente Gesundheitsgefahr und sind in ihrer Recyclingmöglichkeit
eingeschränkt. Sie werden häufig mit aufkaschierter
Aluminiumfolie als Dampfsperre angeboten, was einen diffusionsoffenen
Ausbau unmöglich macht. Zudem bieten sie nur geringen sommerlichen
Wärmeschutz.
- Glaswolle:
Wärmeleitfähigkeit
0,035 - Rohdichte 25 kg/m³
- Primärenergiegehalt ca. 250 kWh/m³
- Steinwolle:
Wärmeleitfähigkeit
0,040 - Rohdichte 40 kg/m³
- Primärenergiegehalt ca. 150 kWh/m³
Andere
mineralische Dämmstoffe
Perlit-
und Vermiculit-Dämmstoffe werden durch Erhitzen des Ausgangsmaterials
(vulkanisches Perlit-Gestein bzw. Glimmerschiefer) auf etwa 1000°
C hergestellt. Dabei entweicht das chemisch gebundene Wasser schockartig
und bläht das Material auf etwa das 15fache Volumen auf.
Die Granulate werden vor allem als Schüttdämmung für
Böden, Kerndämmung in Mauerwerk sowie als Leichtzuschlag
für Mörtel, Putze, Beton oder Steine verwendet. Sie
sind baubiologisch unbedenklich, eine theoretisch mögliche
erhöhte Radioaktivität des Blähperlit wurde von
ÖKO-TEST nicht festgestellt. Die Materialien sind nicht brennbar
und chemisch reaktionsfrei. Zur Hydrophobierung werden sie allerdings
gelegentlich mit Bitumen oder Silikonen behandelt, was ihre Ökobilanz
verschlechtert. Bei der Verarbeitung können eventuell gesundheitsschädliche
Stäube entstehen.
Blähton
wird nach verschiedenen Verfahren bei 1200° C im Drehrohrofen
durch Aufquellen von Tonmaterial und anschließendes Brennen
und versintern der Oberfläche der kleinen Kügelchen
hergestellt. Dadurch ist er wasserunempfindlich und hat eine hohe
Druckfestigkeit. Der Ton bläht sich auf durch Gasentwicklung
bei der Verbrennung der darin enthaltenen organischen Anteile
oder durch den Zusatz von Schweröl. Blähton hat ein
ähnliches Anwendungsspektrum wie die vorgenannten Materialien,
ist zudem noch bedingt belastbar und ist gleichfalls gesundheitlich
unbedenklich, allerdings zeigt er deutlich schlechtere Wärmedämm-
und dafür bessere Wärmespeichereigenschaften. Beim Zusatz
von Schweröl können während der Herstellung Schadstoffe
entweichen. Eine theoretisch mögliche erhöhte Radioaktivität
des Blähtons wurde von ÖKO-TEST nicht festgestellt.
Schaumglas
wird aus Altglas oder Glasrohstoffen wie Quarzsand und Feldspat
hergestellt. Zum bei etwa 1000° C geschmolzenen Glas wird
Kohlenstoff gegeben, das entstehende CO² schäumt
die Glasmasse auf, zudem entsteht noch Schwefelwasserstoff. Schaumglas
ist ein wasserdampfdichter, geschlossenzelliger, feuchteunempfindlicher,
sowie feuer- und druckfester Dämmstoff mit guten Dämmeigenschaften.
Es eignet sich besonders für Außendämmungen gegenüber
dem Erdreich (Perimeterdämmung) oder zur Dämmung von
Flachdächern und Gründächern. Es wird auch zur
Wand- und Schrägdachdämmung angeboten, ist dafür
aber wegen seiner Dampfdichtigkeit normalerweise nicht zu empfehlen.
Beim Schneiden kann eine Geruchsbelästigung durch den enthaltenen
Schwefelwasserstoff entstehen, ansonsten ist das Material aber
gesundheitlich unbedenklich.
Ökologischer
Nachteil ist neben seinem hohen Primärenergiegehalt, daß
es in seinen Hauptanwendungsbereichen mit Bitumen verklebt und
verspachtelt wird. Bitumen ist ein Abfallprodukt der Erdölraffinerie
und steht im Verdacht auf krebserzeugendes Potential, die Inhaltsstoffe
schwanken je nach Ausgangsmaterial sehr. Problematisch sind vor
allem die enthaltenen polycyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe.
Deren Anteil kann sich um den Faktor 10 unterscheiden. Reines,
schonend gewonnenes Bitumen ist nach Herstellerangaben frei von
Schadstoffen. Da hierfür allerdings keine Qualitätsgarantie
gegeben wird, sollte man zumindest im Innenbereich auf Bitumen
verzichten und bei der Verarbeitung im Außenbereich die
Arbeitsschutzbestimmungen streng einhalten. Eine Anwendung von
Schaumglas ist im Innenbereich allerdings auch weitgehend unüblich,
da die besonderen Eigenschaften dieses Dämmstoffs dort nicht
benötigt werden.
- Perlite:
Wärmeleitfähigkeit
0,050 - Rohdichte 90 kg/m³
- Primärenergiegehalt ca. 230 kWh/m³
- Blähton:
Wärmeleitfähigkeit
0,10 - Rohdichte 300 kg/m³
- Primärenergiegehalt ca. 300 kWh/m³
- Schaumglas:
Wärmeleitfähigkeit
0,040 - Rohdichte 120 kg/m³
- Primärenergiegehalt ca. 1600 kWh/m³
Zellulosedämmstoffe
Der
in Deutschland führende organische Dämmstoff ist die
Zellulose, die in USA und Skandinavien bereits Marktanteile von
25 bis 30 % erobert hat. Zellulosedämmstoffe werden in der
Regel aus Altpapier, vor allem alten Tageszeitungen, hergestellt.
Das Papier wird gemahlen oder in sehr feine Schnitzel geschnitten
und mit Borsäure und -salzen als Brandhemmer, Insekten- und
Pilzschutz vermischt. Vereinzelt wird auch Frischzellulose verwendet,
die allerdings einen deutlich höheren Primärenergiegehalt
hat. Die Zelluloseflocken werden in der Regel in trockene Hohlräume
eingeblasen, wo sie sich in beliebigen Dämmstärken zu
einem dichten Vlies verfilzen. Man kann sie auch feucht auf senkrechte
Schalungen aufspritzen, erreicht dann aber nicht so große
Dicken. Weil die Materialeigenschaften vom richtigen Einblasen
abhängig sind, dürfen Zelluloseflocken nur durch lizensierte
Fachbetriebe verarbeitet werden. Die Dämmstoffe sind diffusionsoffen,
nach der Verarbeitung fugenlos, sehr gut wärmedämmend
und sorptionsfähig, aber nicht druckfest. Sie zeigen ein
günstiges Brandverhalten und sind zum Teil durch unbedenkliche
Zusätze in die Brandschutzklasse B1 eingestuft, die ihnen
in Deutschland ein breiteres Anwendungsfeld eröffnet. Zudem
sind sie die preiswertesten unter den sogenannten Öko-Dämmstoffen.
Allerdings
haben sie auch einige gravierende Nachteile. So wird bei der Verarbeitung
in erheblichem Umfang Staub freigesetzt, ein guter Staubschutz
ist unerläßlich. Außerdem hat man beim Einblasen
bis zu acht Millionen kritische organische Fasern pro Kubikmeter
Raumluft gemessen. Die Bioabbaubarkeit dieser Fasern ist nach
Untersuchungen im Auftrag eines Herstellers sogar geringer als
bei Mineralfasern. Dennoch schließen unabhängige Experten
ein vergleichbares Krebsrisiko wie bei Mineralfasern nach heutigem
Kenntnisstand aus. Es liegen bis jetzt keine Hinweise vor, dass
organische Fasern überhaupt ein krebserzeugendes Potential
haben. Aus der Textil- oder auch Papierindustrie, in denen die
Beschäftigten gleichfalls hohen Faserbelastungen ausgesetzt
sind, sind keine entsprechenden Hinweise bekannt. Organische Fasern
sind elastischer und neigen nicht wie mineralische Fasern zum
Brechen und Splittern.
Die
Borate werden in unterschiedlichen Verfahren auf die Zelluloseflocken
aufgebracht, etwa durch feuchtes Aufsprühen oder durch Hammermühlen,
haften aber dennoch nur schlecht. Deshalb werden recht hohe Anteile
von 18 bis 25 % der Masse zugesetzt. Wenn ein Holzhaus ausschließlich
mit Zelluloseflocken gedämmt wurde, können fast eine
Tonne Borate verbaut werden. Auch wenn Borsalze für die Gesundheit
unbedenklich und nur in geringem Maß umweltschädlich
sind, machen sie doch in diesen Mengen eine Kompostierung der
Materialien unmöglich. Einige Hersteller setzen deshalb andere
Salze als Flammhemmer und Pilzschutz ein, insbesondere Ammonium-
und Aluminiumsalze.
Zelluloseflocken
werden auch als Platte angeboten, Markenname Homatherm.
Dazu fixiert man sie mit einem natürlichem Bindemittel an
einem Jutegewebe. Der Vorteil: Sie kann als genormter Baustoff
von jedermann verarbeitet werden. Außerdem staubt sie kaum
noch, ist preislich relativ günstig und eignet sich hervorragend
für den Innenausbau. Im Dachbereich hingegen zeigt sie alle
Nachteile einer Platte: Sie lässt sich nicht fugenlos zwischen
die Sparren bringen. Außerdem ist sie relativ schwer zu
schneiden und bröckelt leicht.
Neuerdings
gibt es für den Decken- und Wandbereich auch Schüttungen
aus Zellulose, die eine Zulassung als Do-it-yourself-Produkt haben.
Sie werden sowohl als Dämmung wie auch als Ausgleichsschüttung
eingesetzt, weil sie mit unbedenklichen Bindemitteln zu festen
Presslingen verarbeitet wurden.
- Zelluloseflocken:
Wärmeleitfähigkeit
0,040 - Rohdichte 35 kg/m³
- Primärenergiegehalt ca. 50 kWh/m³
Andere
Dämmstoffe aus Holz
Holzweichfaserplatten
werden ohne Einsatz von Bindemittel und unter Aktivierung der
holzeigenen Harze (Lignin) hergestellt. Gelegentlich wird noch
etwas Weißleim zugesetzt, der formaldehydfrei sein sollte.
Sie sind ungepreßt und werden nur durch Walzen verdichtet.
Sie enthalten gegen Schimmel und zur Aktivierung des Lignin geringe
Mengen Aluminiumsulfat und zur Erhöhung des Flammschutzes
Ammoniumsulfat. Diese Salze sind gesundheitlich unbedenklich.
Mit einer Imprägnierung durch gesundheitlich für Innenräume
problematisches Bitumen, Paraffin oder empfehlenswertes Latex,
lassen sich Holzweichfaserplatten für Unterdachschalungen
verwenden. Holzweichfaserplatten eignen sich für den Innenausbau,
insbesondere zur Wärme- und Schalldämmung von Fußböden,
und für die besonders in den Alpenländern beliebte Auf-Sparren-Dämmung.
Ihr ökologischer Nachteil ist der verhältnismäßig
hohe Primärenergieeinsatz. Von besonderem Vorteil ist der
gute sommerliche Wärmeschutz von Holzweichfaserplatten, sie
sind hier allen anderen Dämmstoffen weit überlegen.
Neuerdings
gibt es auch Dämmsysteme aus Holzweichfaserplatten, die sich
als Wärmedämmverbundsystem für die nachträgliche
Dämmung von massiven Außenwänden einsetzen lassen
- und zwar als Innen- wie auch als Außendämmung. Sie
bestehen aus mehreren aufeinandergeleimten Platten und einem abgestimmten
Verputzsystem.
Eine
traditionelle Alternative sind die bereits vorgestellten Holzwolleleichtbauplatten.
Sie bestehen aus Holzwolle und Hobelspänen aus Resthölzern
und Abfallstoffen, die mit Magnesiumcarbonat (Magnesit) oder Portlandzement
gebunden werden. Wegen ihres verhältnismäßig geringen
Wärmedämmvermögens ist es umstritten, ob sie überhaupt
zu den Dämmstoffen zu rechnen sind. Andererseits werden sie
in verschiedenen Verbundsystemen zusammen mit einem Dämmstoff
als Wärmedämmung für den Innenausbau und für
die Außenwandbeplankung angeboten.
Eine
Besonderheit, die zur Zeit nur in den Häusern des Allgäuer
Öko-Fertighausherstellers und "Ökomanagers des
Jahres 1996" Hubert Fritz zu haben ist, ist ein Dämmstoff
aus Hobelspänen, die lediglich mit ökologisch unbedenklicher
Molke und Soda imprägniert wurden. Man füllt sie in
Wände und Dächer und verdichtet sie mit einem speziellen
selbstkletternden Rüttler zu einem Vlies. Dieser Dämmstoff
zeichnet sich durch niedrige Herstellungsenergie und gesundheitlich
wie ökologisch völlig unbedenkliche Konservierungsstoffe
aus. Allerdings ist der Einbau nicht unproblematisch und eignet
sich vor allem für genormte Bauteile.
- Holzweichfaserplatten:
Wärmeleitfähigkeit
0,045 - Rohdichte 300 kg/m³
- Primärenergiegehalt ca. 1400 kWh/m³
- Holzwolleleichtbauplatten:
Wärmeleitfähigkeit
0,09 - Rohdichte 500 kg/m³
- Primärenergiegehalt ca. 1200 kWh/m³
Dämmstoffe
aus Flachs und Hanf
Eine
rundum empfehlenswerte Alternative für die Dämmung zwischen
den Dachsparren und bei Leichtbaukonstruktionen sind Dämmmatten
aus Flachsfasern. Sie werden mit nur geringen Zusätzen von
Boraten (ca. 4 %) und Wasserglas aus den Fasern hergestellt, die
für Textilgewebe (Leinen) zu grob sind und deshalb bislang
als Abfall behandelt wurden. Flachs ist in Zentraleuropa die Faserpflanze
mit der längsten Anbautradition, sie ist anspruchslos und
benötigt weder Düngung noch Pestizide. Sie kann auch
auf Flächen angebaut werden, die für die Landwirtschaft
stillgelegt wurden und wird in jüngster Zeit durch die EG
gefördert. Die daraus gefertigten Dämmmatten zeigen
gute Dämm- und Verarbeitungseigenschaften bei niedriger Primärenergie,
allerdings gibt es auch Produkte, die mit Polyester als Stützfasern
verstärkt sind. Dies erschwert ein späteres Recycling.
Neuerdings
werden auch Dämmstoffe aus Hanf angeboten. Hanf war in der
Vergangenheit eine in Europa heimische Nutzpflanze, durfte aber
in Deutschland bis 1996 nicht angebaut werden. Erst seit diesem
Zeitpunkt sind auch hier wachsende Anbauflächen zu verzeichnen.
Die Rohstoffe stammen bislang vor allem aus Frankreich. Hanf ist
wie Flachs eine genügsame, im Anbau ohne Düngung und
Spritzmittel auskommende Pflanze, die auch auf schlechten Böden
sehr gut gedeiht. Sie ist schnellwachsend und liefert als mögliche
Dämmstoffe sowohl Fasern wie auch hartschalige Abschnitte,
sogenannte Schäben. Die Fasern werden ähnlich wie Flachs
zu Matten verarbeitet, Schäben können als Schüttgut
oder als Zuschlagstoff für Dämmputze und Leichtmörtel
verwendet werden. Da das Material von Natur aus fungizid und antibakteriell
wirkt, kann man auf eine Imprägnierung weitgehend verzichten,
allerdings muss ein Flammschutz hinzugegeben werden.
- Flachsfasermatten:
Wärmeleitfähigkeit
0,040 - Rohdichte 25 kg/m³
- Primärenergiegehalt ca. 30 kWh/m³
Andere
Dämmstoffe aus heimischen nachwachsenden Rohstoffen
Andere
organische Dämmstoffe können nur mit Einschränkungen
empfohlen werden. So sind Schilf und Schafwolle zwar im Prinzip
durchaus in Zentraleuropa heimische Rohstoffe, de facto werden
sie jedoch aus weiten Entfernungen antransportiert. Schilf stammt
überwiegend aus dem Donaudelta und dem Plattensee in Ungarn,
wo es unter naturschützerisch fragwürdigen Umständen
geerntet wird. Die bescheidenen Schilfvorkommen in Zentraleuropa
stehen durchweg unter Naturschutz und können deshalb zumeist
nicht genutzt werden.
Der
Baustoff Schilf hat eine lange Tradition. So wurden früher
dünne Schilfmatten als Putzträger an Holzbalkendecken
benutzt. Die heute angebotenen stärkeren Formate eignen sich
als dämmende Leichtbauplatte, lassen sich mit Kalkputz oder
Lehm gut verputzen und werden vor allem für die Außenwanddämmung
eingesetzt. Schilf ist von Hause aus feuchteresistent, bietet
durch seinen hohen Kieselsäureanteil einen natürlichen
Brandschutz und muss deshalb nicht imprägniert werden. Die
Schilfrohrhalme werden parallel neben- und übereinander mechanisch
gepresst und durch verzinkte Eisendrähte zu festen aber biegsamen
Platten von 2 bis 10 cm Stärke verbunden, die sich bequem
verarbeiten lassen. Baubiologen kritisieren, dass die verwendeten
Drahtgeflechte wie eine Antenne wirken können, die elektromagnetische
Strahlung verstärkt. Schilf weist mit einem -Wert
von 0,055 nicht überragende Dämmeigenschaften auf.
Dämmstoffe
aus Schafwolle haben sich seit ihrer Markteinführung 1992
rasch einen interessanten Marktanteil erobert. Sie genießen
beim Verbraucher ein sehr positives Image, was dazu geführt
hat, dass auch finanzstarke konventionelle Unternehmen in die
Produktion von Schafwolldämmstoffen eingestiegen sind. Da
es weltweit große Wollüberschüsse gibt, stammt
das Ausgangsmaterial überwiegend von Importen aus Neuseeland.
Dort ist das "Dippen" der Schafe, ein Bad in pestizidhaltiger
Lösung gegen Schädlinge, noch an der Tagesordnung. Auch
schlagen sich die weiten Transportwege zwar nicht im Preis, aber
in der Ökobilanz nieder. Mittlerweile gibt es aber auch Hersteller,
die europäische Wolle, etwa aus Österreich oder Großbritannien,
verwenden.
Schafwolle
zeigt sehr gute Dämmeigenschaften, ist hautsympathisch und
von Natur aus brandhemmend. Gegen Mottenbefall muss sie allerdings
geschützt werden, was zumeist durch halogenorganische Verbindungen
in den Standardimprägnierungen Eulan oder Mitin
FF geschieht. Diese Verbindungen sind zwar für den Menschen
verträglich, verfälschen aber als Ausfluss der Chlorchemie
das Naturprodukt.
Häufig
angewendete Imprägnierungen mit Borsalzen wirken nur dann
dauerhaft gegen Motten, wenn sie auf der Wollfaser fixiert werden.
Dies geschieht beispielsweise durch eine Latexierung, die wiederum
die Gebrauchseigenschaften beeinträchtigt. Da Wolle sehr
weich ist und sich daher nur schlecht einbauen läßt,
werden Wolldämmstoffe von größerer Dicke mit "Stützfasern"
aus Polyester versehen. Der Kunstfaseranteil kann bis zu 20 %
des Produkts ausmachen. Dies erschwert ein späteres Recycling.
Bei Verwendung von minderwertiger Reißwolle - einem Recyclingprodukt
- kann es zu erhöhter Staub- und Faserbelastung der Luft
kommen.
- Schafwollmatten:
Wärmeleitfähigkeit
0,040 - Rohdichte 25 kg/m³
- Primärenergiegehalt ca. 55 kWh/m³
Dämmstoffe
aus importierten nachwachsenden Rohstoffen
Aus
fernen Ländern importierte nachwachsende Rohstoffe sollten
bei der Suche nach Ersatz für Polystyrol oder Mineralfaser
nicht in der ersten Reihe stehen.
Der
klassische Naturdämmstoff Kork hat im Vergleich mit Zellulose
und Schafwolle bei den Alternativen an Marktbedeutung verloren.
Der Rohstoff, die Rinde der Korkeiche, stammt überwiegend
aus Portugal, Spanien und Nordafrika, wo zumeist auch die Weiterverarbeitung
erfolgt - nicht immer unter umwelt- und arbeitstechnisch vorzeigbaren
Bedingungen. Die langen Transportwege schlagen in der Energiebilanz
negativ zu Buche. In geringerem Ausmaß werden Korkdämmstoffe
auch in Deutschland durch Aufarbeitung von gesammelten Flaschenkorken
produziert. Diese Dämmstoffe geben in der ersten Zeit einen
starken Weingeruch ab. Kork ist in seiner Verfügbarkeit stark
begrenzt, durch eine umweltverträgliche Aufforstung von Trockengebieten
mit Korkeichen könnte dieser Engpass auf lange Sicht beseitigt
werden.
Granuliertes
Korkmaterial dient zur Kerndämmung im zweischaligen Mauerwerk,
als Dämmschüttung für Decken und Fußböden
sowie als Leichtzuschlag vor allem von Lehmprodukten. Anwendungen
zur Wand- oder Dachschrägendämmung sind nicht zu empfehlen,
weil das Material sich setzt, große Wärmebrücken
entstehen und bei nachträglichen Umbauten der Dämmstoff
wie aus einer Eieruhr herausläuft. Kork ist druckfest und
formbeständig, eine noch höhere Dämmwirkung erzielen
Platten aus Backkork, die durch Erhitzen von Korkgranulat mit
Wasserdampf bei Temperaturen um 380° C ohne Zusätze
("rein expandiert") unter Verwendung korkeigener Harze
als Bindemittel gefertigt werden. Werden höhere Temperaturen
gefahren, um aus minderwertigen Korkarten die geringeren Harzanteile
zu lösen, kann krebserregendes Benzo-a-pyren entstehen. Die
Platten eignen sich für den Innenausbau und zur Fassadendämmung.
Sie zeigen auch gute schalldämmende Wirkung, lassen sich
aber schlecht überputzen.
Matten
oder Streifen aus Kokosfasern werden traditionell überwiegend
zur Schall- und weniger zur Wärmedämmung eingesetzt,
neuerdings gibt es aber auch eine Kokosmatte speziell für
den Einsatz in der Dachschräge. Die Kokosfasern sind zwar
in Fernost ein Abfallprodukt der Kokosernte, müssen aber
aufbereitet und über eine weite Strecke transportiert werden.
Sie sind nahezu unverrottbar, antibakteriell, elastisch und strapazierfähig,
durch Zugabe von Wasserglas oder Latex werden sie wasserabweisend,
durch unbedenkliches Ammoniumsulfat bekommen sie den notwendigen
Flammschutz, die Wärmeleitfähigkeit liegt bei
0,050. Kokosfasern sind nur begrenzt verfügbar und sollten
vorrangig zur Anwendung in den Anbauländern des fernen Ostens
dienen.
Baumwolle
wird sowohl zu Dämmmatten verarbeitet, als auch als Einblasmaterial
ähnlich Zellulose angeboten. Sie zeigt ähnlich gute
Materialeigenschaften wie die Schafwolle, muss jedoch nicht gegen
Mottenfraß geschützt werden, sondern bekommt lediglich
gegen Feuer geringe Zusätzen von Boraten. Gegen die Verwendung
von Baumwolle sprechen die äußerst umweltfeindlichen
Herstellungsmethoden in den Anbauländern sowie die langen
Transportwege. Allerdings finden sich im Material keine Rückstände
der Spritzmittel, die beim Anbau und vor allem während der
Ernte überreich zum Einsatz kommen. Eine gesundheitliche
Beeinträchtigung ist von daher nicht zu erwarten. Außerdem
weist der Weltmarkt erhebliche Baumwoll-Überschüsse
auf, die hier zu einem langlebigen Produkt verarbeitet werden.
Ein pestizidfreier Anbau wäre möglich, wird aber nur
von wenigen Herstellern angewendet, die hochwertige Textilindustrie
beliefern. Bei der Bearbeitung von Baumwolle, insbesondere beim
Waschen und Bleichen werden umweltschädliche Stoffe eingesetzt.
Bei der Verarbeitung und vor allem beim Einblasen entsteht eine
hohe Staub- und Faserbelastung, die Staubentwicklung ist aber
ingesamt niedriger als bei Zellulose.
- Korkplatten:
Wärmeleitfähigkeit
0,045 - Rohdichte 110 kg/m³
- Primärenergiegehalt ca. 450 kWh/m³
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